Ziele

Mit seinen neun Subnetzen will das Kompetenznetz Schlaganfall die Grundlagen- und klinische Forschung in verschiedenen Bereichen der Schlaganfallforschung stärker miteinander verzahnen. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose, Behandlung und Rehabilitation des Schlaganfalls führen. Defizite in der Patientenversorgung werden systematisch analysiert und behoben. Vorrangiges Ziel des Forschungsverbundes ist es, das Schlaganfallmanagement zu verbessern und neue medizinische Lösungen schneller in die klinische Praxis umzusetzen.

Risikoerkennung und Prävention vorantreiben

Forschergruppen wollen herausfinden, welche Rolle die Gene bei der Entstehung verschiedener Schlaganfalltypen bzw. entsprechender Risikofaktoren spielen. Ziel ist es, Hochrisikopatienten frühzeitig zu erkennen und die Betroffenen gezielter vorbeugend behandeln zu können.

Patientenversorgung und Qualitätssicherung optimieren

Warum kommen viele Schlaganfallpatienten erst drei Stunden nach Auftritt der ersten Symptome ins Krankenhaus? Und damit für die derzeit einzig ursächlich ansetzende Therapie (Lyse) meist zu spät. Wie sieht die derzeitige Versorgungslage von Schlaganfallpatienten in Deutschland aus? Kann der Einsatz der Telemedizin in ländlichen Bereichen zu einem besseren Behandlungserfolg der Patienten führen? Wie hoch sind die direkten Kosten, die bei einer Schlaganfallbehandlung anfallen?

Das Kompetenznetz will Wissenslücken in der Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie schließen, mögliche Defizite aufdecken und diese beheben. Eine umfangreiche Qualitätssicherung in der Schlaganfallbehandlung sowie eine langfristige, validierte Kostenplanung im Gesundheitswesen werden so ermöglicht.

Diagnose und Akuttherapie verbessern

Bislang gibt es nur eine Therapie, die direkt an der Ursache des häufigsten Schlaganfalltyps ansetzt. Weniger als fünf Prozent der Patienten werden zurzeit mit der Lyse behandelt. Nicht nur durch eine optimierte Rettungskette sondern auch durch verbesserte Diagnoseverfahren könnten mehr Patienten von der Lyse-Therapie profitieren. Das Kompetenznetz setzt sich sowohl in der klinischen als auch in der Grundlagenforschung dafür ein, die Akutdiagnostik und Schlaganfallbehandlung weiter zu verbessern. Neue medikamentöse Strategien, Operationsverfahren und bildgebende Diagnoseverfahren werden in multizentrischen Studien auf ihre Wirksamkeit und Effektivität hin überprüft.

Neue Rehabilitationsstrategien entwickeln, bekannte Therapien überprüfen

Bundesweit leiden knapp eine Million Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter. Es existieren zwar eine Reihe von Rehabilitationsstrategien, bisher ist aber für die Mehrzahl der bekannten Therapieverfahren noch kein Wirksamkeitsnachweis erbracht worden. Die Forscher arbeiten ebenso daran, aus den Ergebnissen der Grundlagen- und klinischen Forschung validierte, effektive Therapien zu entwickeln.

Etablierung von Schlaganfalldatenbanken: Mehrwert durch Zusammenarbeit

Im Kompetenznetz wurden neue Datenbanken geschaffen, etwa in den Bereichen Genetik oder Bildgebung für die Diagnostik des Schlaganfalls, um so aussagekräftige Ergebnisse in multizentrischen Studien zu ermöglichen. Zum anderen unterstützt das Kompetenznetz auch bereits geschaffene Strukturen wie etwa die „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlaganfallregister“, um die akute Behandlungssituation von Schlaganfallpatienten systematisch zu evaluieren.

Fort- und Weiterbildung fördern

Zusammen mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft werden Aufklärungskampagnen zum Schlaganfall für die breite Bevölkerung sowie Fort- und Weiterbildung, wie die Stroke Summer School, initiiert und gefördert.

Nachwuchswissenschaftler fördern

Jedes Jahr ehrt das Kompetenznetz Schlaganfall eine/n Nachwuchswissenschaftler/in für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Der mit 2000 Euro dotierte „Young Scientist Award“ wurde im November 2006  erstmals vom KNS verliehen.

Preisträger 2006:

Dr. Christoph Kleinschnitz von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg.
Der Wissenschaftler wurde unter anderem für eine Arbeit gewürdigt, die im „Journal of Experimental Medicine“ (J Exp Med. 2006; 203 (3): 493-5.) veröffentlicht wurde. Kleinschnitz und Co-Autoren hatten herausgefunden: Mäuse, bei denen der Blutgerinnungsfaktor XII blockiert ist oder fehlt, erleiden deutlich kleinere Schlaganfälle als ihre normalen Artgenossen.

Preisträger 2007:

Dr. Eric Jüttler von der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg.
Der Wissenschaftler erhielt die Auszeichnung für die Erforschung der Hemikraniektomie in der Schlaganfallakuttherapie. Die Hemikraniektomie ist ein Behandlungsverfahren, bei dem Schlaganfallpatienten, in den ersten 48 stunden nach einem Schlaganfall die Schädeldecke halbseitig entfernt wird, um das Gehirn zu entlasten. Die Analyse von drei Studien hatte ergeben, dass sich die Überlebenschancen der Patienten dadurch fast verdreifachen lassen.

Preisträger 2008:

Dr. Gabor Petzold von der Abteilung für Experimentelle Neurologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Der Wissenschaftler wurde für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Schlaganfallforschung ausgezeichnet. Die Ergebnisse seiner Arbeit konnten erstmals Astrozyten als zentrale Elemente der funktionellen Hyperämie identifizieren.

 Preisträger 2009:

Dr. med. Ralph Weber von der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Essen.
Der Wissenschaftler erhielt die Auszeichnung für seine Untersuchungen zu neuro-vaskulären Mechanismen, die bei der Erholung nach einem Schlaganfall eine Rolle spielen. Wichtige Erkenntnisse wurden dabei anhand eines neuartigen fMRI-Protokolls gewonnen.
Die Arbeit mit demTitel "Early Prediction of Functional Recovery after Experimental Stroke: Functional Magnetic Resonance Imaging, Electrophysiology, and Behavioral Testing in Rats" wurde im "Journal of Neuroscience" (J Neurosci. 2008; 28(5):1022-1029) veröffentlicht.

 

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